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    Lungenhochdruck allgemein – was ist das?

    Die pulmonale Hypertonie oder Lungenhochdruck ist ein Oberbegriff für mehrere, sehr unterschiedliche Erkrankungen des Lungengefäßsystems. Ihr gemeinsames Merkmal sind die krankhaft eingeengten arteriellen Blutgefäße der Lunge, die zu einer fortschreitenden Belastung der rechten Herzkammer führen und für die es viele verschiedene Ursachen gibt. Einige dieser Krankheiten werden als PAH (pulmonal arterielle Hypertonie) zusammengefasst.

    Das Blutkreislaufsystem wird in einen großen „Körper-Kreislauf“ und einen kleinen „Lungen-Kreislauf“ unterteilt. Die linke Herzhälfte versorgt den gesamten Körper mit sauerstoffreichem Blut. Das nun sauerstoffarme Blut fließt zur rechten Hälfte des Herzens zurück. Die rechte Herzhälfte pumpt das sauerstoffarme Blut in die Lunge. Das nun wieder mit Sauerstoff gesättigte Blut fließt zur linken Herzhälfte, und der Kreislauf kann von vorne beginnen.

    Der Blutdruck im Lungen-Kreislauf kann mit Hilfe einer Rechtsherzkatheter-Untersuchung gemessen werden (s. Untersuchungsmethoden -> Link). Beim Gesunden betragen die mittleren Blutdruckwerte im Lungenkreislauf in Ruhe und unter Belastung ca. 15 mmHg, d.h. die Druckwerte in der Lunge erreichen nur rund 1/5 des Blutdrucks im großen Kreislauf, der einfach am Oberarm gemessen werden kann. Beim Lungenhochdruck sind die Blutdruckwerte im Lungenkreislauf auch ohne körperliche Belastung dauerhaft auf über 25 mmHg erhöht.
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    Welche Formen des Lungenhochdrucks gibt es?

    Die pulmonale Hypertonie oder Lungenhochdruck ist eine schwerwiegende Erkrankung und kann vielfältige Ursachen haben. Deswegen wurde die Krankheit in unterschiedliche Klassen (oder Gruppen) eingeteilt. Im Rahmen regelmäßig stattfindender internationaler Konferenzen werden auch die jeweils neuesten Erkenntnisse zur Diagnostik und Therapie der pulmonalen Hypertonie diskutiert und neue Leitlinien definiert. 2013 fand in Nizza die 5. Weltkonferenz zu Pulmonalen Hypertonie statt, auf der die Einteilung unten stehende Einteilung diskutiert und Empfehlungen für die Therapie beschlossen wurden, die in die Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der europäischen Fachgesellschaften übernommen wurden.

    Klassifikation der pulmonalen Hypertonie (PH)
    1. Pulmonal arterielle Hyper tonie (PAH)
    1’. Pulmonale venookklusive Erkrankung (PVOD) und/oder pulmonale kapilläre Hämangiomatose (PCH)
    2. Pulmonale Hypertonie infolge Linksherzerkrankung
    3. Pulmonale Hypertonie infolge Lungenerkrankungen und/oder Hypoxie
    4. Chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH)
    5. Pulmonale Hyperton mit unklarem oder multifaktoriellem Mechanismus

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    Wie wird der Schweregrad eingestuft?

    Die Einstufung erfolgt gemäß einem funktionellen Klassifizierungssystem, der sogenannten WHO-/NYHA-Klassifikation (NYHA steht für „New York Heart Association“). Die Einstufung hat eine besondere Bedeutung für die Prognose und Therapie des Lungenhochdrucks. Die körperliche Verfassung und die Leistungsfähigkeit des Patienten sind bei der Einteilung maßgebend. Es werden vier verschiedene Stufen unterschieden:

    • NYHA-Klasse I: Es treten keine Beschwerden bei körperlichen Aktivitäten auf.
    • NYHA-Klasse II: Normale körperliche Aktivität führt bereits zum Auftreten von Belastungszeichen wie Kurzatmigkeit und Erschöpfung. Brustschmerzen und Ohnmachtsanfälle können auftreten. Im Ruhezustand sind die Erkrankten beschwerdefrei.
    • NYHA-Klasse III: Bereits geringe körperliche Aktivität führt zum Auftreten von Belastungszeichen wie Kurzatmigkeit und Erschöpfung. Brustschmerzen und Ohnmachtsanfälle können auftreten. Im Ruhezustand sind die Erkrankten beschwerdefrei.
    • NYHA-Klasse IV: Luftnot und Schwächegefühl tauchen bereits im Ruhezustand auf und werden bei Belastung verstärkt. Betroffene können keinerlei körperliche Tätigkeiten ohne Beschwerden verrichten.

    Wird durch eine spezifische Therapie die WHO-/NYHA-Klasse der Patienten verbessert oder zumindest stabilisiert, kann dies die Lebensqualität und die Lebenserwartung deutlich verbessern.
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    Wie häufig wird Lungenhochdruck diagnostiziert?

    Insgesamt zöhlt die pulmonalarterielle Hypertonie zu den seltenen Erkrankungen: die geschätzte Häufigkeit beträgt gemäß den aktuellen internationalen Leitlinien zur pulmonalen Hypertonie 15-50 Fälle auf 1 Million Einwohner. In bestimmten Risikogruppen (z. B. HIV-Patienten, Patienten mit Sklerodermie) ist die Häufigkeit deutlich höher.
    In Deutschland sind schätzungsweise 2 000 bis 6 000 Menschen von PAH betroffen, wobei die Dunkelziffer hoch sein dürfte, weil die Diagnose aufgrund der unspezifischen Beschwerden oft schwer zu stellen ist.

    Besonders selten sind die erblich bedingten (hereditäre PAH, HPAH) PAH-Formen.
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    Wie kommt es zum Lungenhochdruck?

    Unmittelbar verantwortlich für die Form des Lungenhochdrucks PAH sind veränderte, eingeengte arterielle Lungengefäße. Um die gleiche Blutmenge durch die Lunge pumpen zu können, müssen die rechten Herzabschnitte deshalb einen deutlich erhöhten Druck aufbringen. Dies führt auf Dauer zu einer Überlastung des rechten Herzens (Rechtsherzinsuffizienz).
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    Wie macht sich Lungenhochdruck bemerkbar?

    Die PAH entwickelt sich zunächst relativ langsam, bis sich die Situation im Lauf der Jahre allmählich zuspitzt. Weil die frühen Anzeichen normalerweise nur schwach ausgeprägt sind, werden sie häufig gar nicht wahrgenommen oder aber auf andere Ursachen zurückgeführt. Zeichen eines Lungenhochdrucks können rasche Ermüdung, abnehmende Leistungsfähigkeit und Atemnot bei Belastung sein. Später kann es gerade bei Belastung oder sportlicher Anstrengung zu Ohnmachtsanfällen (Synkopen) kommen. Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme), insbesondere in den Beinen, sind ein Zeichen dafür, dass die Pumpleistung des rechten Herzens eingeschränkt ist. Bei fortgeschrittenem Lungenhochdruck besteht bereits in Ruhe Atemnot.

    Zu den typischen Symptomen gehören zusammengefasst:
    • Rasche Erschöpfbarkeit
    • Atemnot
    • Schwindel, besonders bei Lagewechsel und starker körperlicher Belastung
    • Herzklopfen, schnellerer Herzschlag
    • Brustenge
    • Schwellungen der Knöchel oder Beine

    Allerdings sind die Symptome – besonders im Anfangsstadium der PAH – häufig wenig spezifisch, d.h. sie passen auch zu einer Reihe anderer Erkrankungen, wie zum Beispiel Asthma, Bronchitis, Blut -armut (Anämie) oder Erschöpfungs-(„Burnout“)-Syndrom.
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    Welche Ursachen kann Lungenhochdruck haben?

    Lungenhochdruck kann ohne bekannte Ursache (d.h. idiopathisch; IPAH) oder als Folge anderer Erkrankungen (assoziierte pulmonal arterielle Hypertonie, APAH) auftreten, z.B. aufgrund von:

    • Bindegewebserkrankungen wie der Systemischen Sklerose und des Systemischen Lupus Erythematodes (SLE)
    • angeborenen Herzfehlern
    • HIV-Infektion
    • Lebererkrankungen
    • Sichelzellanämie
    • weiterer seltener Erkrankungen
    • Lungenembolien
    • u. a.

    Der genaue Hintergrund für die Entstehung der PAH ist jedoch nach wie vor unbekannt. In Frühstadien des Krankheitsverlaufs kommt es zu Fehlfunktionen des Endothels, der Innenauskleidung der Blutgefäße.

    Diese führen zu einem Ungleichgewicht gefäßerweiternder und gefäßverengender Substanzen sowie zu einer Verdickung und Umbau von Gefäßwänden, so dass das Blut nur noch gegen einen erhöhten Widerstand durch die Blutgefäße fließen kann.
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    Wer ist von der idiopathischen Form des Lungenhochdrucks betroffen?

    Mit einer Häufigkeit von ca. ein bis zwei Erkrankten pro einer Million Menschen zählt die idiopathische pulmonal arterielle Hypertonie zu den sehr seltenen Krankheiten. Andere Formen der PAH kommen dagegen wesentlich häufiger vor. Über die genaue Erkrankungshäufigkeit und Anzahl Patienten existieren allerdings keine verlässlichen Zahlen. Die Erkrankung kann jedoch in jedem Lebensalter auftreten und Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.
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    Wie stellt der Arzt Lungenhochdruck fest?

    Wenn der Hausarzt bei Ihnen einen Lungenhochdruck vermutet, sollte er Sie an einen Spezialisten für Lungenerkrankungen (Pulmologe) oder Herzerkrankungen (Kardiologe) überweisen. Zunächst geht es vor allem darum, andere mögliche und vergleichs weise häufigere Erkrankungen der Lunge und des Herzens als Ursache der Beschwerden auszuschließen. Der Arzt lässt sich von Ihnen zunächst Symptome und Krankheitsverlauf schildern und setzt dann verschiedene Untersuchungsverfahren ein.
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    Körperliche Untersuchung und Gehtest

    Schon bei der körperlichen Untersuchung hat der Arzt die Möglichkeit, eine übermäßige Belastung Ihrer rechten Herzkammer festzustellen - etwa dann, wenn er Wasseransammlungen in den Beinen (Ödeme) entdeckt. Außerdem kann das Abhören von Herz und Lunge Hinweise auf einen Lungenhochdruck geben, zum Beispie durch krankhaft veränderte Herztöne. Ihre körperliche Belastbarkeit kann der Arzt mit einem Gehtest ermitteln, bei dem Sie 6 Minuten lang ebenerdig möglichst weit gehen müssen.
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    Laboruntersuchungen

    Spezielle Laboruntersuchungen können bei der Diagnosefindung, insbesondere bei Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen) notwendig werden. Heute stehen auch gute sogenannte „Biomarker“ zur Verfügung, die Anzeichen für eine Herzschwäche anzeigen können.
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    Apparative Untersuchungen

    EKG
    Auskunft über die Funktion Ihres Herzens erhält der Arzt auch durch das Elektrokardiogramm (EKG). Diese Methode misst Herzströme über Elektroden an der Hautoberfläche. Die aufgezeichneten Herzströme lassen Rückschlüsse etwa auf den Herzrhythmus zu. Vor allem bei schon schwerer ausgeprägtem Lungenhochdruck zeigt das EKG typische Veränderungen an.

    Röntgen
    Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs kann hauptsächlich bei fortgeschrittener Erkrankung Hinweise auf Lungenhochdruck liefern: Im Röntgenbild sind dann vergrößerte Lungenarterien, evtl. auch ein vergrößertes rechtes Herz zu erkennen.

    Weil Lungenhochdruck sich nicht so einfach wie der Blut(hoch)-druck im großen Kreislauf mit einem Messgerät am Arm feststellen lässt, gibt es zwei besondere Messverfahren: die Echokardio-graphie und die Katheteruntersuchung des rechten Herzens.

    Echokardiographie
    Die Echokardiographie zählt zu den Grunduntersuchungen und ist die wichtigste Untersuchungsmethode bei Verdacht auf Lungenhochdruck. Die Echokardiographie ist eine Form der Ultraschalluntersuchung und erfolgt somit nicht-invasiv, also ohne direkten Eingriff. Sie ist für Sie ohne gesundheitliches Risiko und schmerzfrei.
    Mit der Echokardiographie können beispielsweise die Herzgröße, die Dicke der Herzwände, die Bewegung der Herzklappen und die Druckverhältnisse im Herzen beurteilt werden.

    Spiroergometrie
    Die Spiroergometrie ist eine weitere nicht-invasive Grunduntersuchung. Mit der Messung und Analyse der Ausatemluft während körperlicher Belastung wird die Ausdauerleistungsfähigkeit sowie die Leistungsfähigkeit des kardiopulmonalen Systems gemessen.

    Rechtsherz-Katheter-Untersuchung
    Wenn sich aus den Grunduntersuchungen Hinweise auf einen Lungenhochdruck ergeben, werden weiterführende Spezialuntersuchungen eingesetzt. Hierzu zählt vor allem die Rechtsherz-Katheter-Untersuchung. Dazu schiebt Ihr Arzt über eine Vene einen dünnen Kunststoffschlauch mit einer Messsonde bis in die rechte Herzkammer und die arteriellen Lungengefäße vor.
    Diese Untersuchung ist die einzige Methode, mit der der Blutfluss und auch die Blutdruckwerte in den Lungenarterien direkt gemessen werden können. Auch lassen sich Aussagen darüber treffen, inwieweit das rechte Herz durch den Lungenhochdruck bereits in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Rechtsherz-Katheter-Untersuchung ist für die definitive Diagnose einer PAH unerlässlich. Bei der Untersuchung werden spezielle Medikamente verabreicht; die entsprechende Reaktion auf diese Medikamente kann Aufschlüsse darüber geben, wie im Anschluss die Erkrankung ideal behandelt werden kann. Dies ist der sogenannte Vasoreagibilitäts-Test.

    Steht fest, dass bei Ihnen ein Lungenhochdruck vorliegt, sollten weitere gezielte Untersuchungen durchgeführt werden, um körperliche Veränderungen detailliert zu erfassen und um herauszufinden, ob bei Ihnen eine spezielle Grunderkrankung zum Lungenhochdruck geführt hat.
    Zu diesen Untersuchungen gehört beispielsweise eine Computertomographie oder auch eine Perfusions-Szintigraphie der Lunge. Die Angiographie, bei der die Lungenarterien mit Hilfe von Röntgen-Kontrastmittel sichtbar gemacht werden, muss in seltenen Fällen zusätzlich durchgeführt werden. Spezielle Blutuntersuchungen können weitere Aufschlüsse über eine mögliche Grunderkrankung liefern. Ob und in welchem Ausmaß Lungenerkrankungen als Ursache des Lungenhochdrucks vorliegen, lässt sich mit Hilfe eines umfangreichen Lungenfunktionstests ermitteln.
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    Sind so viele Untersuchungen wirklich notwendig?

    Um die optimale Therapie auszuwählen, sind eine Reihe von Untersuchungen unabdingbar. Nur durch eine exakte Diagnostik kann auch eine bestmögliche Therapie erreicht werden.
    Fehldiagnosen führen nicht nur zu unnötiger Therapie, sondern ggf auch zu einer Gefährdung des Patienten.
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    Ist Lungenhochdruck heilbar?

    Eine Heilung der Erkrankung kann formal nur durch eine Lungentransplantation bei Ausschöpfung aller medikamentöser Therapieoptionen erreicht werden. Durch die nach einer Transplantation notwendige Immunsuppression zur Verhinderung einer Abstoßung und andere spezifische Probleme kann aber sicher nicht von einer Heilung im klassischen Sinne gesprochen werden.

    Die besondere Form der Chronisch Thromboembolischen Pulmonalen Hypertonie (CTEPH) kann tatsächlich durch eine sehr große Operation, die sogenannte Thrombendarteriektomie, bei der die Thromben operativ aus den Gefäßen herausgeschält werden, in einigen Fällen geheilt werden.

    Für die meisten betroffenen gilt aber, wie bei vielen chronischen Erkrankungen, dass eine dauerhafte Heilung der pulmonal arteriellen Hypertonie derzeit nicht möglich ist. Viele Beschwerden können aber heute wirkungsvoll behandelt werden, so dass die Lebensqualität des Patienten verbessert wird. Mit modernen Medikamenten kann zusätzlich das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden. Wichtig ist jedoch in jedem Fall: Je früher die pulmonal arterielle Hypertonie entdeckt wird, umso besser sind die Behandlungsaussichten. Haben sich erst einmal die Gefäße stark verändert und hat sich eine dauernde Überlastung des rechten Herzens entwickelt, sind die Aussichten auf eine Stabilisierung der Krankheit wesentlich schlechter.
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    Wie wird Lungenhochdruck behandelt?

    Je früher die pulmonal aterielle Hypertonie erkannt und behandelt wird, desto besser. Zwar ist die Erkrankung bisher nicht heilbar, aber die Beschwerden bzw. Einschränkungen lassen sich zum Teil sehr wirksam behandeln. Vor allem die spezialisierten Zentren kennen sich bestens mit den Behandlungsmöglichkeiten aus.

    Grundsätzlich gilt: Behandlungsziel ist die Verbesserung der Belastungs- bzw. der Leistungsfähigkeit.
    Wenn der pulmonal arteriellen Hypertonie eine andere Erkrankung zugrunde liegt, spielt auch die Behandlung dieser Grunderkrankung eine zentrale Rolle.

    Die Behandlungsmöglichkeiten der PAH haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Noch vor rund zehn Jahren bestand die einzige Behandlungsmöglichkeit in der Transplantation einer Spender-Lunge, eventuell auch eines Spender-Herzens. Seit einigen Jahren sind wirksame und spezifisch wirkende Medikamente für die Behandlung der PAH zugelassen. Sie werden zusammen mit so genannten Basistherapeutika verabreicht.
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    Basistherapie

    Zur Behandlung der PAH gibt es spezifische Medikamente aus den folgenden Wirkstoffgruppen:

    PDE-5-Hemmer
    Die Phosphodiesterase-5 (PDE-5) ist ein körpereigener Stoff, der indirekt gefäßverengend wirkt. Bei PAH-Patienten ist PDE-5 viel zu aktiv, die Blutgefäße in der Lunge sind also ständig zu eng gestellt. PDE-5 kann Medikamente wie Sildenafil oder Tadalafil gehemmt werden und damit der Lungenhochdruck gesenkt werden. Die Medikamente können in Tablettenform eingenommen werden.

    Endothelin-Rezeptor-Antagonisten
    Der körpereigene Botenstoff Endothelin bewirkt zum einen, dass sich die Blutgefäße in der Lunge zusammenziehen, zum anderen führt er zu einer Vermehrung von Bindegewebszellen (Fibrosierung) und zu einem unkontrollierten Wachstum von Muskel- und Endothel-zellen dieser Gefäße. Als Folge entsteht Lungenhochdruck. Endothelin liegt bei der PAH in erhöhtem Maße vor. Mit Hilfe von Endothelin-Rezeptor-Antagonisten wie Bosentan und Ambrisentan, kann verhindert werden, dass der Botenstoff über spezifische Empfänger (Rezeptoren) seine Botschaft verbreitet und die Gefäße und Zellen beginnen, sich zu verändern. Endothelin-Rezeptor-Antagonisten werden in Tablettenform eingenommen.

    Prostazyklin⁄-Abkömmlinge
    Prostazyklin ist ein im menschlichen Körper vorkommender Botenstoff. Sowohl die natürliche Form als auch prostazyklinähnliche Substanzen als Arzneimittel zugeführt, erweitern die Blutgefäße insbesondere der Lunge und helfen somit den Blutdruck in der Lunge zu senken. Diese Medikamente werden als Dauerinfusionen verabreicht oder müssen mehrfach am Tag inhaliert werden. Tabletten mit diesen Wirkstoffsubstanzen haben sich bis jetzt in Studien noch nicht als ausreichend wirksam bei der PAH herausgestellt.
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    Wann kommt welches Medikament zum Einsatz?

    Letztlich fördert jedes der genannten Medikamente auf seine spezielle Weise eine Erweiterung der Blutgefäße und wirkt einer Verdickung der Gefäßwand und damit dem Lungenhochdruck entgegen.
    Für welche der medikamentösen und sonstigen Behandlungen sich Ihr PAH-Spezialist entscheidet und ob möglicherweise bei Ihnen verschiedene Medikamente gleichzeitig eingesetzt werden müssen, hängt davon ab, wie schwer der Lungenhochdruck ausgeprägt ist, welche Begleiterkrankungen vorliegen und welche Erkrankung ihm eventuell zugrunde liegt. Bei den Medikamenten wird Ihr Arzt mit dem Wirkstoff beginnen, der in Ihrer konkreten Situation am wirksamsten und verträglichsten ist. Eine angemessene und konsequent durchgehaltene Behandlung kann heutzutage meist die körperliche Leistungsfähigkeit über lange Zeit stabilisieren.
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    Welche körperliche Aktivität ist im Alltag möglich?

    Die wichtigste Regel für alle Patienten lautet: Belasten Sie sich, aber überlasten Sie sich nicht!

    Sie sollten unbedingt die Belastung reduzieren, wenn stärkere Luftnot oder andere körperliche Warnsymptome wie z.B. Druckgefühl auf der Brust oder Schwindel auftreten. Insbesondere eine plötzliche, hohe körperliche Belastung wie schnelles Laufen oder Treppensteigen sollte vermieden werden. Andererseits würde Bewegungslosigkeit jedoch dazu führen, dass Muskulatur und Organismus geschwächt werden.

    Ein moderates Training unter Anleitung und Aufsicht eines Spezialisten kann auch für PAH-Patienten gesundheitsfördernd sein und die körperliche Leistungsfähigkeit steigern. Gezieltes Training einzelner kleiner Muskelgruppen, Dehnungs- und spezielle Kräftigungsübungen können Sie bei mit pulmonaler Hypertonie erfahrenen Krankengymnasten erlernen und Ihr Wohlbefinden verbessern. Setzen Sie sich hierfür mit Ihrem Arzt in Verbindung. Grundsätzlich richtet sich die körperliche Belastbarkeit nach Ihrem Gesundheitszustand unter der Therapie.
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    Bin ich im Berufsleben eingeschränkt?

    Viele Berufe erfordern körperliche Anstrengung und hohe psychische Belastbarkeit. Dies ist nur bedingt mit einer PH-Erkrankung vereinbar. Deshalb werden ca. 50 % der Patienten erwerbsunfähig.
    Diese Einschränkungen sind abhängig von Krankheitsverlauf und Aufwand der Therapie. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt und entwickeln Sie, wenn notwendig neue berufliche Perspektiven. Nutzen Sie staatliche Hilfen.

    • Wiedereingliederung und Umschulung
    • Arbeitszeitverkürzung
    • Schwerbehindertengesetz
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    Kann ich verreisen?

    Sie sollten ein möglichst normales Leben führen. Bei Stabilität der pulmonalen Hypertonie gehört dazu auch Reisen. Eine gute Vorbereitung ist unbedingt erforderlich!

    • Klären sie, ob es eine ausreichende medizinische Versorgung am Reiseziel gibt (z.B. PH Zentren)
    • Vermeiden Sie Überanstrengung
    • Vermeiden Sie Sauerstoffmangel also:
    keine Höhenaufenthalte über 1.500 m
    Flugreisen nur mit Sauerstoffgabe
    • Bedenken Sie ein mögliches Infektionsrisiko
    • Notfallausweis, Arztberichte, Medikamente mitnehmen
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    Ist die Krankheit vererbbar?

    Familiäres Auftreten des Lungenhochdrucks ist selten, nur 4-6 % aller Patienten haben eine erbliche Variante der Erkrankung. Allerdings bedeutet das nicht, dass Menschen mit einer erblichen Veranlagung in jedem Fall erkranken müssen. Selbst wenn ein Elternteil an einer erblichen Form erkrankt ist, hat das Kind nur eine Wahrscheinlichkeit von fünf bis zehn Prozent, im Laufe seines Lebens zu erkranken. Wenden Sie sich hierzu auch an eine humangenetische Beratung.
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    Darf ich schwanger werden?

    Eine Schwangerschaft ist bei pulmonaler Hypertonie für Mutter und Kind weit mehr als nur ein Risiko, sie ist lebensgefährlich. Auch haben einige PAH spezifische Medikamente schädigende Nebenwirkungen, können also Missbildungen am ungeborenen Leben hervorrufen. Eine sichere Verhütungsmethode ist daher unbedingt notwendig. Sollten Sie im gebärfähigen Alter sein, müssen sie mit Ihrem Arzt über eine sichere Verhütung (Antikonzeption) reden, um so mehr, da verschiedene Kontrazeptiva (Verhütungsmittel) unter Umständen durch eine spezifische Therapie schneller vom Körper abgebaut werden und nicht mehr sicher verhüten. Mit Ihrem behandelnden Arzt sollten sie unbedingt das Thema Kinderwunsch und sichere Verhütung ausführlich besprechen.
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    Gibt es weitere spezielle Verhaltensregeln zur Anpassung meiner Lebensweise?

    Ernährung
    Essen Sie Spurenelemente (z.B. Kalium, Magnesium)-und vitaminreiche Kost. Reduzieren Sie Ihre tägliche Kalorienzufuhr für das Halten Ihres Idealgewichtes auf das notwendige Maß. Vermeiden Sie Nahrungsmittel mit schnell verfügbaren Kohlehydraten (z. B. Kristallzucker) und hohem Anteil an gesättigten Fettsäuren und Cholesterin. Achten Sie auf die ausreichende Zufuhr von Ballaststoffen, die in Vollkornbrot, Obst und Gemüse enthalten sind.
    Vermeiden Sie die Aufnahme von Kochsalz. Das ist in großer Menge üblicherweise in Wurst, Käse, Fertiggerichten, Fertigsuppen, Knabbergebäck, Chips u.a. enthalten. Beachten Sie die Menge an Flüssigkeit, die Sie zuführen. Wenn Sie Schwellungen im Knöchelbereich und eine Zunahme der Atemnot bemerken, dann sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Schwellungen in den Gelenken können ein Hinweis auf die verringerte Ausscheidung von Flüssigkeit und damit auf eine Verschlechterung der Funktion von Herz und Nieren sein.

    Gewichtskontrollen
    Wiegen Sie sich selbst jeweils zur gleichen Tageszeit und schreiben Sie Ihr Gewicht in einem Tagebuch oder Kalender auf. Wenn Sie eine rasche Gewichtszunahme von 1 kg innerhalb eines Tages oder 2-3 kg innerhalb einer Woche feststellen, dann informieren Sie Ihren Arzt. Eine rasche Gewichtszunahme kann ein Hinweis auf die verringerte Ausscheidung von Flüssigkeit und damit auf eine Verschlechterung der Funktion von Herz und Nieren sein.

    Rauchen
    Vermeiden Sie sowohl das aktive wie auch passive Rauchen. Andere Arten des Tabakkonsums (Kautabak, Nikotinersatzmittel) sollten ebenfalls gemieden werden. In jedem Falle sollten Sie eine alternative Nikotinzufuhr zuvor mit Ihrem Arzt besprechen.

    Alkohol
    Vermeiden Sie den unmäßigen Genuss von alkoholischen Getränken.

    Impfungen
    Bei pulmonaler Hypertonie sollen Atemwegsinfektionen unbedingt vermieden werden. Eine jährliche Grippe- und eine Pneumokokken-Impfung (dem häufigsten Erreger der ambulant erworbenen Lungenentzündung) sind in den meisten Fällen empfehlenswert.